claim von gute-banken

Aw: Rating Agenturen

Hatten wir schon: Wie Spiegel Online („EU-Finanzmarktaufseher prüfen Methoden der Rating-Riesen“, 2.7.12) meldet, nehme die EU-FInanzmarkt die Methoden der Rating-Agenturen unter die Lupe. Begründung: Irgednwie könne es ja kaum sein, dass sie so viele Banken auf einmal und en bloc abwerten, ohne dabei „ausreichend analytische Ressourcen“ und auch Zeit zu haben.

Der Vorgang ist ja nun nicht grade neu: Bereits im Juli 2008 verwendete die EU-Kommission in einer Anfrage die Formulierung des „übermäßigen Vertrauens“, das möglicherweise die Banken in die Bewertung durch die Rating-Agenturen gesetzt hätten. In der enstprechenden Pressemeldung (IP/08/1224 ) der Kommission heisst es am 31.7.2008 – also vor vier Jahren:

„Es ist allgemein anerkannt, dass die Ratingagenturen die Kreditrisiken der strukturierten Kreditprodukte unterschätzt und in ihren Ratings die Verschlechterung der Marktbedingungen nicht frühzeitig genug widergespiegelt haben. Somit kommt ihnen für die derzeitige Kreditmarktkrise eine große Verantwortung zu.“

Laut ebenfalls aus 2008 datierenden Untersuchungen auch der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (2008-135) verfügten die Ratingagenturen vor der Subprime-Krise für die Bewertung von Immobilienportfolien im Subprime-Bereich über keine spezifischen Prozessvorschriften und
auch nur eine unzureichende Dokumentation zu diesen Portfolien. Sie seien mit dem massiven Anstieg dieser Produkte (subprime residential mortgage-backed securities (RMBS) und collateralized debt obligations (CDO)) kapazitativ überfordert gewesen.


Naja, um der Wahrheit die Ehre zu geben: Wurden ja auch in der Zwischenzeit auch ein paar Dinge geregelt. Zum Beispiel, dass die Rating-Agenturen jetzt regelmäßig Informationen über ihre Arbeit an die Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) geben sollen. Und dass sie Informationen auch in einen zentralen Datenspeicher einstellen sollen „so dass Investoren die Leistung verschiedener Ratingagenturen miteinander vergleichen können“.

Nicht bei Spiegel Online genannt aber dafür besonders drollig ist aber die am 2.4.12, veröffentlichte Pressemeldung der Kommission zu einer weiteren Maßnahme:

„Credit rating agencies will start paying fees for their supervision (MEX/12/0402)“

In der „Verordnung zur Ergänzung der Verordnung (EG) Nr. 1060/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates in Bezug auf die Gebühren, die den Ratingagenturen von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde in Rechnung gestellt werden“ heisst es nämlich in Punkt 3:

„Um sowohl für die ESMA als auch die betroffenen Ratingagenturen Haushaltssicherheit zu gewährleisten, sollte Ratingagenturen, deren Umsatz eine bestimmte Schwelle übersteigt, eine Jahresaufsichtsgebühr in Rechnung gestellt werden.“

Ja so ist das: Geldprobleme löst man mit Geld. Systemprobleme löst man eben mit System…