Das eigentliche Problem bei all dem, was so geschieht, ist aus unserer Sicht die überall als schlagendes Argument angeführte allzu wettbewerbsorientierte Denkhaltung. Obwohl man lernt, dass der Markt nicht alles „richtet“, geht man nicht davon ab, dass die Wettbewerbsfähigkeit der zentrale Faktor für alles ist.
Ratings für Staaten (Staatsaleihen), die zwischen sehr gut, gut und nicht so gut unterscheiden, sind nichts anderes als eine Art Volkswirtschaftsdarwinismus. Wer nicht bei den Besten ist, verliert. Und die Besten sehen nicht, dass sie nur dadurch die Besten sein können, dass andere messbar schwächer sind als sie. Nicht nur können nicht alle in allem gleich gut sein – sie dürfen es systemisch gesehen gar nicht. Weil sonst das ganze Wettbewerbssystem im Eimer wäre.
Nun kann ja ein wenig Wettbewerb auch Spaß machen und die Dinge nach vorn bringen. Solange er eben nicht im Zentrum des Handelns steht. Dann verliert er auf seltsame Weise seinen inneren motivierenden Sinn.
Der Finanzmarkt treibt das mit Wetten auf alles, was bei drei nicht auf dem Baum ist, zur perfiden Perfektion: Egal ob rauf oder runter, schwach oder stark – es geht, zum Beispiel bei Zins-Swaps und anderen Hedging-Konstruktionen, nicht mehr um die zugrundeliegenden Werte selbst, sondern um die Entwicklung von Unterschieden zwischen Werten. Also gewissermaßen nur noch um die Luft, die Löcher, die Abstände zwischen dem, was ist.
Wie nah dieser Wirtschaftsdarwinismus beim Sozialdarwinismus liegt, zeigt ja auch Sarrazin mit seinem saublöden Beispiel von der „Einkreuzung“ belgischer Ackergäule in einem Lipizzanergestüt, über die sich u.a. sogar Welt-Online in einem Kommentar („Sarrazins Pferdemist – Der Lippizaner schafft sich ab“, 11.1.12) ordentlich kritisch äusserte:
www.welt.de/kultur/article13808223/Sarra...schafft-sich-ab.html