Kreissparkasse Mayen: Wirtschaftsforum Mayen mit Abt Mauritius Wilde - Der Mensch im Mittelpunkt
Die Kreissparkasse (KSK) Mayen und die Stadt Mayen hatten gemeinsam Vertreterinnen und Vertreter von Wirtschaft und Politik zum Austausch in die halle129 eingeladen. Die Keynote sprach ein ganz besonderer Gast: Abt Mauritius Wilde, der seit rund einem halben Jahr dem Kloster Maria Laach vorsteht.
KSK-Vorstandsvorsitzender Karl-Josef Esch: „Es ist uns ein Anliegen, beim Wirtschaftsforum immer wieder ein aktuelles Thema in den Mittelpunkt zu stellen, das Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Bevölkerung besonders bewegt. Das Spektrum dringlicher und brennender Themen wird weltweit von Jahr zu Jahr größer. In Deutschland drücken uns die Folgen einer seit mehreren Jahren nicht wachsenden Volkswirtschaft, erhebliche Defizite in der Infrastruktur und ein Sozialsystem, das angesichts des demografischen Wandels angepasst und stabilisiert werden muss. Dazu kommen viele weitere Fragen, sei es zur KI oder dem fairen Ausgleich der Generationen. All diese Themen rufen nach verlässlichen Eckpfeilern, die Halt und Orientierung in einer zunehmend komplexeren Welt bieten können. Hier kann die katholische Kirche eine wichtige Rolle spielen. Papst Leo hat sich aktuell zu wichtigen gesellschaftlichen Fragestellungen erfrischend und klar positioniert.“
Mayens Oberbürgermeister Dirk Meid betonte in seiner Ansprache: „Nicht nur wirtschaftliche Kennzahlen stehen im Vordergrund, die Anforderung unserer Zeit reichen weit darüber hinaus. Die Erwartungen an Unternehmen steigen ebenso wie die gesellschaftliche Verantwortung. Hier gilt es, nachhaltig zu handeln. Die Frage ist, auf welcher Grundlage wollen wir wirtschaften? Vertrauen, Zusammenarbeit und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, sind wichtige Werte. Und Werte sind die Grundlage für langfristigen Erfolg – in der Wirtschaft und auch in der Gesellschaft.“
Der Mensch im Mittelpunkt
Abt Mauritius präsentierte den Zuhörern zu Beginn seines Vortrags ein kleines Taschenbuch mit 73 Kapiteln, das seit 1.500 Jahren prägend für das klösterliche Leben und in vielen Teilen bis heute erstaunlich aktuell ist: die Benediktsregel. Sie fußt auf den Grundwerten Schweigen, Gehorsam und Demut und enthält zudem viele Erkenntnisse guter Führung: „Im Zentrum steht der Mensch mit allen seinen Eigenschaften und seinem Charakter. Erst dann kommen die Funktion und fachliche Fähigkeiten zum Tragen. Das zeigt sich in den ganz praktischem Stellenbeschreibungen für verschiedene Funktionen im Klosterleben und fußt auf der Überzeugung, dass grundsätzlich jeder Mensch das Ebenbild Gottes ist. Die katholische Soziallehre hat den Fokus auf Personalität gelegt: Die Organisation, Institutionen und die Wirtschaft sind für die Person da und nicht umgekehrt.“
Werte, Vertrauen und Verantwortung
Wichtig für die Disziplin sei auch, dass jeder jemanden haben muss, dem er zur Rechenschaft verpflichtet ist, zum Beispiel berichtet der Cellerar im Kloster, also der wirtschaftlich Verantwortliche, der über Geld und Dinge verfügen kann, an den Abt. Der Abt selbst muss vor Christus Rechenschaft ablegen beim jüngsten Gericht, also Antworten geben zu den Dingen, die er sprichwörtlich zu verantworten hatte.
Wertschätzende Kommunikation
Ebenso unterstreichen die Benediktsregeln die Bedeutung von Haltung und Kommunikation. Das „Wie“ ist von entscheidender Bedeutung, ebenso die Transparenz der Sprache. „Ein gutes Wort geht über die beste Gabe“ heißt es, und das sei wichtig, vor allem wenn man einer herangetragenen Bitte nicht nachkommen kann, die Kommunikation und das Verhältnis auf Augenhöhe aber unbedingt beibehalten werden sollte. Und schließlich sollten, nach dem Prinzip der Subsidiarität, die Dinge immer dort erledigt werden, wo man ihnen sachlich am nächsten ist.
Das Kloster als „Familienbetrieb“
Ausgesprochen modern mutet der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen an. Der Gedanke der Nachhaltigkeit ist fest verankert und kein modernes Einzelthema. Schließlich sind Mönche in der Regel ein ganzes Leben lang in ein und demselben Kloster. Sie haben daher ein Interesse an der Fürsorge für den eigenen Ort, um ihn auch nachfolgenden Personen im besten Zustand zu hinterlassen. In diesem Sinne ist ein Kloster wie ein Familienbetrieb.
„Die größten Antriebe für junge Menschen, die sich heute für ein Leben als Mönch entscheiden, sind Gemeinschaft, Ordnung und Sinn“, so Abt Mauritius Wilde. Interessant ist zudem, dass der wirtschaftliche Erfolg eines Klosters ganz stark mit der Lebendigkeit und Spiritualität korreliert, die dort gelebt wird.
In der Fragerunde gab es zahlreiche Meldungen aus dem Publikum. Als Antwort auf die Globalisierung, die oft nicht mehr den Regeln folge, sieht Abt Mauritius die Besinnung auf kleinere Einheiten und Vernetzung der Betriebe untereinander – auch aus Aspekten der Autarkie und Unabhängigkeit. Beim Umgang mit KI sei wichtig, zwar mit der Zeit zu gehen, aber immer den Mensch als Maß zu nehmen. Zum Thema Vielfalt sehen die Benedikstregeln vor, dass alle Mitglieder einer Gemeinschaft gleiche auferlegte Pflichten zu erfüllen hätten, egal wo sie herkämen. Das schaffe einen gemeinsamen Nenner und verankere die Verbundenheit.

Freuten sich in der Halle129 über einen gelungenen Abend: (v.l.) Uwe Hoffmann, Fachbereichsleiter bei der Stadt Mayen, KSK-Vorstandvorsitzender Karl-Josef Esch, Abt Mauritius Wilde und Oberbürgermeister Dirk Meid. Foto: Kreissparkasse Mayen/Ralph Künzel (Zustimmung der abgebildeten Personen liegt der KSK Mayen vor)
Quelle: Kreissparkasse Mayen

