Sparkasse Zollernalb: Kinder erleben Landschaftspflege und Erdgeschichte im Zollernalbkreis
19 Kinder und Jugendliche nahmen am Kooperationsprojekt „Ferien im Jurameer“ teil – einer gemeinsamen Aktion der Sparkassenstiftung Umwelt+Natur und des Fossilienmuseums der Holcim (Süddeutschland) GmbH.
Unter dem Motto „Wollig und wild – mit dem Schäfer die Natur erleben“ war der Besuch bei einem Jungschäfer aus Bisingen ein Höhepunkt der Veranstaltung. Eine Wanderung durch das Bachbett der Schlichem und die Suche nach Fossilien rundeten die drei Projekttage ab.
Lautes Mähen in allen Tonlagen empfängt die Jungforscher schon auf einem Feldweg westlich von Zimmern. Noch ist nichts von den Schafen zu sehen. Doch Schäfer Tim Eichinger, der die Gruppe vom Wanderparkplatz abgeholt hat, beruhigt die aufgeregten Kinder. „Gleich sehen wir die Schafe. Dort hinten stehen sie“, und zeigt auf eine Streuobstwiese am Waldrand. Der Landschaftspfleger, der nebenher Forstwirtschaft studiert, hat nicht nur ein Herz für Vierbeiner sondern auch für Kinder.
Denn für die 13. Auflage des Ferienprojekts öffnete er seine Viehweiden, um die Bedeutung der Paarhufer für die Förderung der Artenvielfalt vorzustellen. Eine ideale Möglichkeit für das Projektteam mit Alexandra Kischkel-Bahlo und Hannes Schurr von der Stiftung Umwelt+Natur und Dr. Annette Schmid-Röhl und Janina Wypich vom Fossilienmuseum Kindern die ökologischen Zusammenhänge von Geologie, Tieren und Pflanzen zu zeigen.
Schaf- und Rinderbeweidung in Zimmern
Der Ausblick auf den Stammsitz der Hohenzollern bietet nicht nur eine großartige Landschaftskulisse. Das kleinstrukturierte Gebiet ist mit seinen Streuobstwiesen, Hecken und Waldrändern auch ein toller Lebensraum für Vögel und andere Wildtiere. Damit das so bleibt, hält der junge Landwirt zwei Dutzend Dorper-Schafe und fünf Hinterwälder-Rinder und pflegt mehrere Flurstücke in Zimmern unterhalb der Burg Hohenzollern. „Da sind sie“, schreit ein braunhaariges Mädchen und zeigt auf Schafe mit schwarzem Hals und Kopf. Die stehen unruhig zwischen hohem und vertrocknetem Gras. Der Schäfer, der alle Tiere mit Namen kennt, lockt die Herde mit Gerste an.
Geduldig wartet die Kindergruppe vor dem Elektrozaun, bis der großgewachsene Landwirt die Stromversorgung von der Batterie trennt. Sofort ist der junge Mann von schubsenden, blökenden Schafen umringt, die gierig ihre Zunge nach dem Getreide ausstrecken. „Diese Dorper-Schafe sind eine robuste Fleischschafrasse, die ursprünglich aus Südafrika kommt“, erklärt Tim Eichinger. „Sie sind genügsam, werfen ihr Haar selbst ab und sind hervorragend an trockenes Klima angepasst“, ergänzt der Landschaftsexperte mit Blick auf den heißen Sommer. Dann können die Kinder die Schafe streicheln. Schnell merken die jungen Naturfans, dass die Äpfel der verstreut wachsenden Obstbäume hervorragende Lockmittel sind. Gegen einen leckeren Happen lassen die anfangs scheuen, wolligen Vierbeiner das Streicheln, Drücken und Herzen der vielen Kinderhände über sich ergehen. Anschließend führt Eichinger die Exkursionsgruppe zu einer weiteren Weide, die mit mehreren Hinterwälder-Rindern bewirtschaftet wird. Diese Rasse ist mit dem Hausrind verwandt, jedoch kleiner und genügsamer und gehört zu den langlebigsten Rindern Deutschlands.
Harmonie zwischen Tier und Landschaft
Die Pflege der Landschaft durch seine wolligen und robusten Vierbeiner ist für den Jungschäfer eine Herzensangelegenheit: „Die Verbuschung wird zurückgedrängt, Bodenstellen werden offengehalten und das selektive Fressen sorgt für eine abwechslungsreiche Vegetationsstruktur“ betont der Landwirt. Dass seine Tiere auch Fleischlieferanten sind, verschweigt er den Kindern nicht. Doch zuerst haben die Tiere ein gutes Leben auf der Weide. Kritisch blickt der Jungschäfer auf den Dürresommer. Die extrem trockenen Weiden bergen auch für seine robusten Tierrassen die Gefahr der Nahrungsknappheit. Dann sind der Zukauf von Futter und Tierverkauf notwendige Maßnahmen,um die Landschaftspflege mit Biss weiterführen zu können.
Fossiliensuche und Ökologie
Die Gesteine der Jurazeit sind für ihren Fossilienreichtum bekannt. Die Schlichem durchschneidet die verschiedenen Juraschichten und ist aufgrund des niedrigen Wasserstands ideal für eine Bachexkursion mit jungen Naturfans geeignet. Gleich an der Einstiegstelle, westlich des Schiefersees in Dormettingen, werden die ersten Donnerkeile aus dem Wasser gefischt. „Das sind Belemniten. Deren patronenartigen schwarzen Innenskelette versteinerten vor vielen Millionen Jahren als sogenannte Donnerkeile“, erklären die Fossilienexperten Annette Schmid-Röhl und Janina Wypich.
Stiftungsökologe Hannes Schurr bestaunt mit einigen Exkursionsteilnehmenden den pfeilschnellen Flug blauer Libellen. „Diese Kleinlibellenart ist oft an sauberen Fließgewässern zu finden und ihr Vorkommen weist immer auf gute Wasserqualität hin“, freut sich der Naturexperte. Geoökologin Jana Fauß vom Ökomobil Stuttgart, die dieses Jahr das Team unterstützt, ist mit einer Kleingruppe weiter bachaufwärts unterwegs. Dort sind die trockengefallenen Abschnitte der Schlichem besonders spannend, denn zwischen den Bachgeröllen können Fossilien bequem aufgesammelt und bestimmt werden. Neben den Donnerkeilen finden die Kinder noch Ammoniten, Brachiopoden (Armfüßer) und Muscheln.
Naturerlebnisse, die bleiben
Alexandra Kischkel-Bahlo von der Stiftung Umwelt+Natur ist zusammen mit ihrem Team überzeugt, dass Naturerlebnisse besonders nachhaltig wirken. „Die Verbindung von Geologie, Tieren und Pflanzen, kombiniert mit Bewegung und sozialer Interaktion, macht das Projekt zu einem tollen Ferienerlebnis“, hebt die Geowissenschaftlerin hervor. Für die Organisatoren steht fest: Auch im nächsten Jahr wird es wieder „Ferien im Jurameer“ geben.

Ein kleiner Ammonit

Kinder mit Dorper-Schafen, die zur Landschaftspflege eingesetzt werden

Fossiliensuche in der Schlichem
Text und Bilder: Alexandra Kischkel-Bahlo
Quelle: Sparkasse Zollernalb

