claim von gute-banken

Geld in den Tresor statt in die EZB. Oder: Wenn das Kapital wieder zum Schatz wird…

Bemerkenswert:  Wie die FAZ berichtet, habe der Sparkassenverband Bayern seinen Sparkassen vorgeschlagen, überschüssiges Geld in Barform in den Tresor zu legen, anstatt dafür Negativzinsen bei der EZB zu bezahlen. Das könne unter Umständen wirtschaftlicher sein. Das Konzept leuchtet sogar ein. Philosophisch gesehen allerdings mit kuriosen Nebeneffekten…

Wir erinnern uns: Schon oft haben wir alle über den Negativzins der Europäischen Zentralbank gelesen. Den hatte sie erhoben, weil sie ja eigentlich will, dass das Geld in Form von Krediten an Unternehmen und Verbraucher gegeben wird und damit die Produktion und die Wirtschaftsleistung im Euro-Raum ankurbelt. Das Problem, an dem dieses Modell zu kranken scheint: Es werden gar nicht so viele Kredite abgerufen. Laut dem Grünbuch der EU-Kommission „zur Schaffung einer Kapitalmarktunion“ werden in Europa nur knapp 13 % der gestellten Kredit-Anträge abgelehnt,“ häufig weil sie selbst bei Rentabilität nicht dem von den Banken erwünschten Risikoprofil entsprechen.“ Aber das ist ein anderes Thema…

Der Plan

Konkret hat nun laut der FAZ („Sparkassen-Pläne Geld im Tresor statt bei der EZB“, 3.3.16) der bayerische Sparkassenverband gemeinsam mit der ebenfalls zur Sparkassen-Gruppe gehörenden Versicherungskammer Bayern vorgeschlagen:

Anstatt das Geld bei der Europäischen Zentralbank für teures Geld zu „parken“ (dort bekommen die Banken jetzt ja keine Zinsen mehr dafür, sondern müssen für jeden geparkten Euro eine „Parkgebühr“, den Negativzins von laut FAZ derzeit 3 Euro pro 1000 geparkten Euro, bezahlen) einfach nur in den Tresor legt, kann das eventuell günstiger sein. Und das geht so:

Da physisches Bargeld in so einem Tresor ja gestohlen werden, verbrennen oder sonst wie verschwinden kann, müsste man es eben versichern. Das würde dann zwar auch Geld – eine Versicherungsprämie – kosten. Aber wie hoch wäre die? Die Versicherungskammer hat nun wohl ausgerechnet, dass man so etwas für 1,50 Euro pro 1000 eingelagerte Euro  machen kann. Dazu kämen dann noch laut von der FAZ befragten Branchenkennern, weitere Kosten etwa für Geldtransporte oder mehr Einbruchsschutz. Vor dem Hintergrund, dass die EZB die Parkgebühr eventuell noch erhöhen will, kann die Rechnung sogar aufgehen.

Nicht zuletzt auch deshalb, weil das Geld fürs Parken bzw die Lagerung dann ja nicht in den großen Geldkreislauf – dem man offenbar nicht mehr traut – fließen würde. Sondern in Form von gezahlten Versicherungsprämien in der Sparkassengruppe bleiben.

… und wie man das auch sehen kann

Soviel zu diesem Konzept, das auf gewisse Weise erstaunlich pragmatisch und bodenständig ist. Nun mussten wir bei der Lektüre des Artikels trotzdem ein wenig – wie man soll man da sagen – grinsen. Denn eingelagertes Geld erinnerte uns an die Frühform des Geldes die man den „Schatz“ nannte – und als etwas beschrieb, das dem kapitalistischen System zuwider läuft:

„… solange der Schatz in seinem Schatzzustande verharrt, fungiert er nicht als Kapital, nimmt nicht Teil am Verwertungsprozess, bleibt eine Geldsumme, die nur anwächst, weil ohne ihr Zutun vorhandnes Geld in den selben Kasten geworfen wird.“

Von wem dieses Zitat stammt? Naja, von Karl Marx. Er schrieb ihn in seinem „Kapital“ im Kapitel III „Geldakkumulation“.

Und das gibt einem schon zu denken. Erinnern wir uns: Die 2008er Finanzkrise wurde auch deshalb ausgelöst, weil die Banken sich, so hieß es damals „gegenseitig nicht mehr trauten“. Und heute? Heut ist es wohl so, dass das gesamte System nicht mehr so recht an das glauben will, was Friedrich Engels, der andere Kritiker des im 19. Jahrhundert aufkommenden Kapitalismus als die „Macht des Geldes, der stets schlagfertigen, absolut gesellschaftlichen Form des Reichtums“ beschrieb

Wie gesagt: Das Konzept der Bayern leuchtet pragmatisch ein. Aber irgendwie hat es doch schon ungeahnte positive Implikationen, die allerdings einen Vorteil haben:

 

Sie regen zum Nachdenken an… :)

Ob man tatsächlich die "absolut gesellschaftliche Form des Reichtums" vergessen hat?…

Nachtrag: Am 4.3.16 stellte der Sparkassenverband Bayern im Handelsblatt ("EZB und Negativzinsen „Sparkassen müssen selbst über Bargeld entscheiden“") klar, dass die Anfrage von einigen Sparkassen gekommen sei - und der Verband habe mit der Versicherungskammer die Möglichkeiten eruiert. Ulrich Netzer, der Präsident des bayerischen Verbandes sieht die Angelegenheit gelassen: Er frage sich immer, was da hineininterpretiert werde. Und sehe das schlicht wirtschaftlich und pragmatisch.

"Die Sparkassen sind nicht dazu da große Geldpolitik  zu betreiben. Aber die betriebswirtschaftlichen Konsequenzen schauen wir uns schon an."

Damit hat er sicherlich recht. Der Rest ist Philosophie…

 

 
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