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„Mutige Schritte“ zur Weltklasse: Warum die Deutsche Bank sich für Landesbank-Fusionen ausspricht.

 Oder: Der schlaue Mittelstands-Josef.

 

 

Am 23.9.10 war in der Handelszeitung-Online zu lesen, dass Deutsche Bank-Chef Ackermann die Fusion der Landesbanken als mutigen Schritt begrüßen würde. Mal wieder in ein paar Nebensätzen macht er uns klar, was seine Agenda ist. Er würde gern den Bankenplatz Deutschland stärken. Davon hätte er am meisten. Und wir wohl am wenigsten. Ein Grund mehr, warum Sparkassen und Genossenschaftsbanken einfach besser für uns sind..

 

Dass Ackermann nur an seine Deutsche Bank und seine Aktionäre denkt, ist ja weithin bekannt. Eine dienende Funktion ist ihm nicht besonders geläufig. Und seine Deutsche Bank ist international aufgestellt und eher im Kapitalmarkt zu Hause als in der deutschen Volkswirtschaft.

In dem aktuellen Artikel der Handelszeitung ist nun folgendes zu lesen:

 

"Wir haben eine Industrie, die Weltklasse ist. Wir haben einen Bankenplatz, der im internationalen Rahmen nicht Weltklasse ist", befand Ackermann. Die Deutsche Bank als heimische Nummer 1 finde sich weltweit gemessen am Börsenwert etwa auf Platz 30 der grossen Finanzkonzerne - und damit als einzige deutsche Bank unter den Top 100.“

Die Fusionsgespräche zwischen den Landesbanken WestLB und BayernLB könnten ein erster Schritt sein, die strukturellen Probleme des deutschen Bankensystems zu lösen. "Wir brauchen noch mehr solcher mutiger Schritte", sagte Ackermann.“

Josef Ackermann, so schreibt auch n-tv am 24.9.10 unter der schönen Headline „ Deutschland einig Landesbank“, begrüße „den Plan, der ihm – wenn alles glatt geht – einen neuen Konkurrenten auf deutschem Boden beschert, aber möglicherweise auch zwei weniger(…)."Eine Volkswirtschaft wie unsere braucht mehr als eine global agierende Bank", sagt Deutsche-Bank-Chef Ackermann.“

Was genau will er uns damit sagen, der Ackermann? Und warum will er gerne, dass die Landesbanken zur drittgrößten Bank Deutschlands fusionieren und damit ein Wetttbewerber würden? Warum will er das? Findet er die Führungsrolle der Industrie jetzt gut oder schlecht? Oder will er sie gerne gegen eine Führungsrolle der Deutschen Bank im internationalen Bankgeschäft tauschen?

 

Wie immer lohnt es sich, ein wenig tiefer zu graben...

 

FInanzmarkt und Vokswirtschaft - wer dient wem?

 

Wenn der Josef Ackermann was sagt, soll man immer genau zuhören und mitlesen. Zum Beispiel auch bei der Nachricht, die uns die FAZ-online am 18.3.10 zu lesen gab:

 

Grundsätzlich sieht Ackermann die Finanzmärkte nicht auf ihre Funktion als Finanzierer der Volkswirtschaft beschränkt. Diese „dienende Funktion“ betrachtet er zwar als sehr wichtig. Aber die Finanzbranche ziehe ihre Existenzberechtigung nicht alleine aus der Versorgung der Realwirtschaft mit Finanzdienstleistungen: „Die Finanzbranche ist auch alleine wertschöpfend.“ Der Handel untereinander mit Wertpapieren beispielsweise schaffe Liquidität, die auch Unternehmen und Investoren zugutekomme.

Wegen dieses großen Nutzens sieht Ackermann Überlegungen als schädlich an, die entweder die Globalisierung der Finanzmärkte rückgängig machen oder - wie die von Paul Volcker - Bankgeschäfte in nützliche und schädliche unterteilen wollen.

 

Der Finanzmarkt dient also der Volkswirtschaft. Aber doch nicht nur der Volkswirtschaft. Eigentlich dient er sich selbst. Aber indem er sich selbst dient, dient er doch auch irgendwie schon wieder der Volkswirtschaft.

 

Ja, das verstehen wir sofort. Die Finanzwirtschaft hat sich ja grade in den letzten drei Jahren als geradezu wahnwitzig wertschöpfend erwiesen. Doch doch. Und da kann man ja, bei soviel gesellschaftlichem Nutzen, nicht erwarten, dass man da zwischen gut und böse oder zwischen nützlich und schädlich unterscheidet. Nein, nein, das kann man nicht. Oder wollen wir’s doch mal versuchen? ....

 

Was die deutsche Wirtschaft stark macht

 

Die deutsche Volkswirtschaft lebt von ihrer Innovationskraft, ihrer Industrie und wie man weiß vor allem von ihrem Mittelstand.  Das Institut für Mittelstandsforschung sagt uns, dass im Jahr 2009 die kleinen und mittleren Unternehmen nicht nur 99,6% der deutschen Unternehmenslandschaft ausmachten, sondern auch 79,5% der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und 83,1% der Auszubildenden beschäftigte. Im Jahre 2008 lag ihr Anteil an der Nettowertschöpfung der Unternehmen in Deutschland nach Schätzungen des Instituts bei 48,6%. So, und nachdem wir das jetzt wissen, wollen wir natürlich mal gucken, wer sich für den Mittelstand als Träger der Weltklasse-Industrie stark macht....

 

Wer die deutsche Wirtschaft stark macht

 

Die Zahlen des Instituts für Mittelstandsforschung sind insofern interessant, als sich an ihnen auch das Interesse der Deutschen Bank an der „Weltklasse“ der deutschen Industrie schön zeigen lässt. Es geht hier also um die Frage: Wie sehr und auf welche Weise beschäftigt sich die Deutsche Bank mit dem Mittelstand?

 

Die im Juli 2010 durchgeführte Studie der Deutschen Bundesbank „ Third special survey on German banks’ lending to domestic enterprises“ beschreibt das sehr schön:

 

The small banks surveyed stated that the credit lines they had approved had increased/would increase somewhat in the first half of 2009 and the remainder of the year as well as in 2010. By contrast, the large banks are planning to keep the credit lines they have granted largely unchanged over the next 18 months, as they have in the year to date.

 

Auf deutsch heisst das soviel wie: Die großen Banken geben weniger Kredite, die kleinen Banken geben mehr Kredite.

 

Nochmal kurz überlegen: Wer sind die kleinen Banken? Ach ja, wir erinnern uns: Das schrieb der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken in seinem Jahresbericht 2009:

 

Die Genossenschaftsbanken versorgten auch 2009 den deutschen Mittelstand maßgeblich mit Kredit- und Eigenmitteln.  Über alle Kundengruppen hinweg und gegen den Markttrend stiegen die Kreditbestände der Volksbanken und Raiffeisenbanken auch 2009 kontinuierlich an. Sie gaben Kredite von mehr als 390 Milliarden Euro an ihre Kunden heraus. Das Kreditgeschäft wuchs damit um 3,5 Prozent. Das sind mehr als 13 Milliarden Euro.

Eine Antwort gibt auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband in seiner  Pressemeldung „ 550 Millionen Euro neues Eigenkapital für Unternehmen“:

Darüber hinaus werden die Sparkassen auch 2010 ihrer gesamtwirtschaftlichen Verantwortung umfassend nachkommen und ausreichend Kreditmittel zur Verfügung stellen. 2009 hatten sie 62,1 Mrd. Euro neue Kredite an Unternehmen und Selbständige zugesagt. Das waren 5,5 % mehr als im Rekordjahr 2008. „Das Kreditangebot wird nicht eingeschränkt. Jedes Unternehmen, das Aussicht auf Rückzahlung der Finanzmittel bietet, erhält bei den Sparkassen Kredit“, sagte der DSGV-Präsident.

 

Wen stärkt die Deutsche Bank?

Und was meldet die Deutsche Bank? Ackermann sagt es in einer Rede bei der Aktionärshauptversammlung am 27.5.2010 - deutlich wie immer:

 

Sie, meine sehr geehrten Aktionärinnen und Aktionäre, können sich in Einem jedenfalls sicher sein: Unsere primäre Verantwortung gilt immer Ihrer Bank.

 

Und dabei ist die Deutsche Bank nun wirklich sehr fantasievoll. Sie ist in der Lage, so ziemlich jeden für seine Interessen einzubauen – Hauptsache es lohnt sich für die Aktionäre.

 

Mittelstandsfinanzierung Marke Deutsche Bank heute ...

 

Und wenn es dann auch so aussieht, als wäre man total „pro Mittelstand“ ist es ja noch schöner. Das zeigt auch die im Februar von der Deutschen Bank lancierte Meldung „ Deutsche Bank stellt „Mittelstandsfonds für Deutschland“ vor, in der sich die Frankfurter Vielgeld-Experten als Gönner des Mittelstandes gerieren:

 

Der Mittelstandsfonds für Deutschland ist mit anfänglich 300 Mio Euro ausgestattet und nimmt schon im ersten Quartal seine Arbeit auf. Er richtet sich branchenübergreifend an zukunftsfähige mittelständische Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 100 Mio Euro. (…) Die Tranchen für eine Eigenkapitalbeteiligung liegen zwischen 2 Mio Euro und 10 Mio Euro.

 

Ja, danke. Zwei bis 10 Millionen brauchen ja die meisten Mittelständler... Der sogenannte Mittelstandsfonds ist übrigens im Grunde ein Instrument, mit dem die Deutsche Bank internationales Kapital in den Mittelstand bringen will – und dabei wahrscheinlich vor allem auf Provisionen schielt. Wer weiß es schon.

 

Mittelstandsfinanzierung Marke Deutsche Bank vor 5 Jahren  ...

 

Mit solchen Instrumenten hat Ackermann auch 2005 schon gespielt: Am 23. Dezember 2005 las man die Meldung „Deutsche Bank verbrieft Mittelstandskredite“.

 

Die Deutsche Bank hat die Verbriefung und Platzierung eines Kreditportfolios erfolgreich abgeschlossen. Grundlage dieser Verbriefungstransaktion ist ein Kreditportfolio in Höhe von 300 Mio. Euro an 629 mittelständische Unternehmen, die nicht über ein investment-grade-Rating verfügen.

 

Prima Lösung, diese Verbriefungen. So dachte man sich damals wohl. Und dann las man weiter:

 

(…) Jürgen Fitschen, Mitglied des Group Executive Committee der Deutschen Bank (…) fügt an: "Die Bank entlastet auf diese Weise ihr Eigenkapital und schafft damit möglichen Spielraum  für zusätzliches Kreditgeschäft."

Ja, so macht man das: Man entlastet das Eigenkapital. Es war zwar der Verbriefungsmarkt, an dem die Banken viel verdienten und die Steuerzahler viel zu leiden haben. Aber für die Deutsche Bank war’s ein prima Geschäft. Nur ist man im Anschluss daran vor lauter Krise nicht mehr dazu gekommen, wirklich wie versprochen mehr Kredite zu geben. Das Eigenkapital war aber entlastet....

 

 

Fazit:

 

Es ist schon irgendwie beachtlich, wie man sich nach einer alles riskierenden Bankenkrise gleich wieder für einen starken Bankenplatz Deutschland aussprechen kann. Und wie man in einer gewagten dialektischen Volte gleichzeitig der Volkswirtschaft dienen und Kohle machen kann. Dazu muss man schon richtig gut drauf sein. Und das ist der Weltklasse-Josef auf jeden Fall.

 

Ein starker Bankplatz ist eine prima Sache, weil man mit ihm Geld verdienen kann! Jawoll, Herr Ackermann! Sagen Sie’s uns.

 

Und wenn wir dann wieder mal eine Krise haben werden, dann sind wir auch gerne wieder bereit, einzuspringen. Denn im Krisenfall, darauf wies der Mittelstands-Josef ja bekanntlich schon am 17.9.09 im Capital Magazin hin, ist die Gesellschaft und die Steuerzahler eine prima Sache. Dort sagte er ja, die Gesellschaft solle sich mal schon drauf einstellen „dass der Staat in systemischen Bankenkrisen der Aktionär der letzten Instanz bleibt.“

 

Und damit das auch so sein kann, würde er gern zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Wenn die Landesbanken zum globalen Player avancieren, kann er sie irgendwann auffressen. Vor der nächsten Krise, darauf kann der schlaues Josef rechnen, wird der Staat als (Mit-)Eigentümer einer Riesenlandesbank ein umso größeres Interesse dran haben, auf Erträge, noch mehr abstruse Kapitalmarktgeschäfte und einen „freien“ Markt zu drängen. Und wenn die nächste Krise dann da ist, wird der Staat umso kräftiger einzuspringen haben....

 

Ach, nein. Wenn das so ist, dann wollen wir das irgendwie aber gar nicht. Oder? Da bleiben wir doch einfach mal lieber bei denen, die sich ohne allzu viele Hintergedanken um die Volkswirtschaft direkt kümmern. Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Bei denen wissen wir wenigstens, worauf sie sich als kleine, völlig system-irrelevante Banken konzentrieren. Nämlich auf das, was unterm Strich fürs System relevant ist.

 

Vielleicht wäre es sogar ganz gut, wenn wir das mal mit unseren Bänkern besprechen würden. Es ist ja sicherlich interessant zu sehen,

 

  • was unsere Bänker von Ackermanns Ideen so halten
  • wie sie die Fusion der Landesbanken sehen
  • welchen Zweck sie hinter solchen Fusionen sehen
  • und welchen Nutzen diese Fusionen ihrer Meinung nach den Menschen und dem Mittelstand bringen würde

 

Und dann geht’s wie immer: gefallen uns die Antworten, bleiben wir bei der Bank. Wenn nicht, dann nicht. Ist ja ein freies Land. Und ein freier Markt für freie Bürger.

 

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Dann freuen wir uns. Weil das allen helfen würde. Und ganz ehrlich: uns auch!

 

 

 

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