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„Too big to fail“ war gestern! Ein Professor fordert: Fusioniert die Banken.

Im Forum der Süddeutschen Zeitung skandiert der Financial-Risk-Management-Professor Martin Hellmich von der Frankfurt School of Finance die Forderung „Fusioniert die Banken“ (16.8.15). Er erklärt uns, warum man nicht viele kleine, sondern wenige große Banken haben muss…

 

Um seine Forderung zu erklären, führt er ins Problem ein: Für Banken und Staaten hätten „systemische Risiken infolge von Ansteckungsgefahren beziehungsweise der Tatsache, dass unterschiedliche Finanzinstitute sehr ähnlichen Risiken ausgesetzt sind, immer noch das größte „Drohpotenzial“.

Um dieses Drohpotenzial zu reduzieren, so der Professor für Risk-Managment, müssten grob gesprochen zwei Dinge geschehen:

1.     Die Finanzierung von Unternehmen sollte viel stärker über „die Märkte“ – also weniger über Banken stattfinden.

2.     Gleichzeitig solle man wegen des harten Wettbewerbs – weil die immer rationale Logik der Märkte und auch der Wettbewerb das verlangt – die Banken fusionieren. Sie also so groß machen, dass mit den „Konkurrenten aus China und den USA“ auf Augenhöhe sind.

Was er schreibt, ist alles sehr technisch. Völlig rational führen seine Erklärungen dann aber zu seiner Forderung:

„Weniger Banken mit geringeren Bilanzsummen, dafür aber Diversifikation der Risiken auf viele Investoren mithilfe der Kapitalmärkte.“

Too big to fail war offenbar gestern

Das bekannte Problem des „too big to fail“ – also das "Drohpotenzial" von sogenannten systemrelevanten Banken, deren Zusammenbruch das ganze System bedrohen könnte, sollte dabei also durch niedrigere Bilanzsumme erreicht werden. Und für die Kürzung von Bilanzsummen könnten das probate Mittel ja zum Beispiel Verbriefungen sein. Also der Verkauf von Forderungen in „die Märkte“ hinein. Ach ja, das hatten wir schon. Stichwort: Subprime-Krise. Das muss man eben in den Griff bekommen. Und schon ist „big“ wieder „beautiful“.

Naja, was sollte man von einem Professor der Frankfurt School of Finance auch anderes erwarten. Das private Institut ist ganz an „den Märkten“ orientiert…

Das Grünbuch der EU-Kommision

Bemerkenswert daran ist vor allem eines: Tatsächlich steht er mit dieser Denkweise nicht völlig allein. Um seiner Forderung eine stabilere Basis zu verleihen, bezieht er sich auf das Grünbuch der EU-Kommission „zur Schaffung einer Kapitalmarktunion“.

Dort ist dann zu lesen:

„Im Wesentlichen besteht unsere Aufgabe darin, zwischen Anlegern und Sparern und dem Wachstum eine Verbindung herzustellen.“

Das Ziel des Papiers ist es, für Europa neue Wege zu finden, mit denen stärkere Kapitalmärkte die Banken als Finanzierungsquelle „ergänzen“ und so

      mehr Investitionen für Unternehmen, insbesondere KMU, und für Infrastrukturprojekte mobilisieren;

      mehr Investitionen von außerhalb in die EU lenken;

      dazu beitragen, das Finanzsystem durch die Erschließung einer breiteren Palette an Finanzierungsquellen zu stabilisieren.

Die Begründung für diesen Bedarf: 

„Um auf Dauer zu mehr Wachstum und Beschäftigung zurückzukehren, ist es neben weiteren Reformen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erforderlich, dass die Kapitalmärkte verstärkt dazu beitragen, Finanzierungsmittel in die Wirtschaft zu lenken.“

Wir übersetzen das einmal großzügig auf deutsch:

Das in Hülle und Fülle in „den Märkten“ vorhandene Kapital sollte gesellschaftlichen Zwecken dienen können.

Ob das mit diesen Märkten und ihren Denkweisen funktionieren könnte? Das steht nicht dabei. Allerdings hatten wir über diese Problematik auch schon verschiedentlich geschrieben

Wie dramatisch ist die Kreditlage für kleine und mittlere Unternehmen in Europa?

Das Grünbuch liefert übrigens auch Zahlen bezogen auf die Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen:

„In Europa wenden sich die meisten KMU (kleine und mittlere Unternehmen) nur dann an Banken, wenn sie eine Finanzierung benötigen. Knapp 13 % dieser Anträge werden abgelehnt, häufig weil sie selbst bei Rentabilität nicht dem von den Banken erwünschten Risikoprofil entsprechen. Zwar verweisen die Banken KMU mitunter an andere Geldgeber, doch funktioniert dies nicht immer, da weder die Banken noch KMU sich der Alternativen ausreichend bewusst sind.“

Die hier genannte Zahl ist immerhin bemerkenswert: Vor dem Hintergrund, dass sich die großen Unternehmen ja ohnehin bereits weniger über Kredite als direkt über den Kapitalmarkt mit Kapital versorgen, wundert einen sogar, dass europaweit nur 13% der Anträge abgelehnt würden. Denn im Umkehrschluss könnte das ja bedeuten, dass 87% auch der kleinen und mittleren Unternehmen mit Krediten versorgt sind.

Fazit

Man liest dies alles – und kann es wohl wirklich nur verstehen, wenn man es nicht auf die Situation in Deutschland anwendet. Denn die Probleme, die hier gelöst werden sollen, dürften bei uns eher die Ausnahme sein. Die Wirtschaft boomt und die Beschäftigungsquote ist hoch. Und unser Bankenmarkt wird nicht von Häusern dominiert, die mit den USA und China auf Augenhöhe sind.

Sondern von regionalen Häusern, die genau das tun, was das Anliegen der EU-Kommission ist:

Sie stellen „zwischen Anlegern und Sparern und dem Wachstum eine Verbindung“ her…

Ist das jetzt zu weit gesprungen, wenn man einfach mal sagen würde:

Small kann auch beautiful sein – wenn man sich eben einmal mit dem dreigliedrigen und hoch fragmentierten Bankenlandschaft auseinandersetzen würde.

Naja, wer weiß es schon. Allemal dürfte es wohl so sein: Solange der Begriff „Gemeinwohl“ auch in dem genannten Grünbuch der EU-Kommision kein einziges mal vorkommt, wird man darauf wohl noch warten müssen…

 
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