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Auch interessant: Die FTD („Von wegen Kreditklemme: Banken drängen Firmenkunden Geld auf“, 14.5.12) berichtet über die derzeit gute Eigenkapitalausstattung der deutschen Unternehmen. Die sei aktuell so gut und die Firmen seien so sparsam, dass sie nicht mehr so viele Kredite aufnehmen würden. Für die Banken sei das blöde, weil der Kuchen eben kleiner werde. Sie könnten ihr Kreditgeschäft also nur noch auf Kosten der Konkurrenz ausweiten. Verdrängungswettbewerb halt. Das sei aber insofern gefährlich, als es dazu verlocke, die Kreditvergabekriterien aufweichen. Zitiert wird dazu der neue Co-Chef der Deutschen Bank: \"Man müsse aufpassen, dass „im Kampf um Marktanteile nicht die Vernunft außen vor“ bleibe. Das klingt ja wahnsinnig vernünftig. Aber Obacht: Bei dieser bekannten Art der „Vernunft“ geht es für ihn nicht um die Fürsorgepflicht den Unternehmen gegenüber. Sondern die Gefahr, dass „die Gewinnmargen zu niedrig angesetzt würden“. Ja ist halt blöd, wenn man außer Gewinnen und Wachstum nichts im Sinn hat… mehr...
Auch interessant: Wie u.a. Spiegel-Online („Milliarden-Zockerei bei US-Bank: Rating-Agentur stuft JP Morgan herab“, 12.5.12) meldet, habe es bei der großen Wall Street-Bank JP Morgan Chase im „Chief Investment Office“ innerhalb weniger Wochen Spekulationsverluste in einer Größenordnung von zwei Milliarden gegeben. So ganz konkret wisse man noch nicht, was da genau passiert wäre. Aber wenn man ein wenig tiefer gräbt, findet man wenigstens heraus, dass es da mal wieder um sehr große Wetten am Derivatemarkt – wahrscheinlich Kreditausfallversicherungen (CDS) gegangen sei. Naja, könnte man sagen. Ist ja quasi normal geworden. Wirklich bemerkenswert ist an dieser Meldung deshalb nur ein Wort, das in allen Meldungen zu diesem Thema auftaucht: Die Geschäfte mit komplexen Finanzprodukten seien derart groß gewesen, dass der gesamte Markt dadurch verzerrt worden sei. Und da wundert man sich dann doch ein wenig. Wo man doch die ganze Zeit immer gebetsmühlenartig gesagt bekommen hat, dass doch Derivate – zum Beispiel auch im Rohstoff- und Nahrungsmittelmarkt - nur dazu seien, „Liquidität“ zu schaffen und bei der „Preisfindung“ behilflich zu sein. Jaja. Und jetzt lernen wir dass solche Geschäfte den Markt also doch „verzerren“ können. Auch blöd… mehr...
Auch interessant: Ein Kommentar der FTD („Der Commerzbank fehlt ein Markenimage“, 9.5.12) moniert die nach wie vor nicht steigenden Ergebnisse der Commerzbank im Privatkundengeschäft. Mit elf Millionen Privatkunden habe die Commerzbank ja eine „enorme Vertriebskraft“, die aber nicht in Wachstum umzumünzen könne. Konkret sei es halt eben so, dass die Kunden ihr Geld zwar auf dem Konto deponieren würden – wahrscheinlich weil sie für die Kontoeröffnung ja Geld bekommen… - aber sie würden halt nicht „in Anlageprodukte investieren“. Und das sei ja nun ein \"Desaster\". Das ist natürlich insofern drollig, als die gern bemühte Regel „Der Markt regelt das schon…“ hier endlich mal stimmt: Wenn die Leute in Deutschland keine Lust auf das Spiel mit Werten haben, dann lassen sie es halt bleiben. Und das war\'s eigentlich schon. Aber in diesem Fall lohnte es sich, mal spaßeshalber ein wenig tiefer zu graben: Denn, so erwähnt der Kommentar der FTD am Rande, bei der offensichtlichen Ladehemmung im Gewinnmachen mit Privatkunden helfe der Bank, in einem Nebensatz, auch das „neue Anreizsystem“ der Commerzbank nichts. Neues Anreizsystem? Da wollten wir doch mal wissen, was das ist. Wie immer ist es nicht ganz einfach, sich da etwas zusammen zu recherchieren. Zumal die Bank so etwas natürlich nicht ganz offen legen mag. Was man in frei zugänglichen Foliensätzen aber findet: Es gibt bei der Commerzbank ein neues „Bonus-Malus-Wert-System“ (kurz: BMW). Allerdings dient das BMW eigentlich nicht primär zum Steigern des Abverkaufs, sondern erstmal vor allem zur Minderung von operationellen Risiken, die fein säuberlich von Markt-, Kredit- und Geschäftsrisiken abgegrenzt werden. Auch wieder drollig: Diese operationellen Risiken werden in einer historischen Tabelle unterteilt in die Möglichkeit und das Risiko von - Schäden durch internen Betrug - Schäden durch externen Betrug - produktbezogenen Schäden durch Missachtung des Verbraucherschutzgesetzes - produktbezogenen Schäden durch Strafzahlungen für Falschdarstellungen - Schäden durch oder unangemessene Wertpapierverkaufspraktiken Um das mal auf deutsch zu sagen: Das Anreizsystem der Commerzbank will erstmal gar nicht auf Gewinne abzielen, sondern erstmal nur lernen, Verluste durch Risiken und „Schäden“ zu vermeiden, die lange Zeit zum business as usual gehörten. Und wenn Führungskräfte oder sogenannte „Risk Taker“ bei der Commerzbank nun weniger praktizieren, dann kriegen sie jetzt brav ihren vollen Bonus. Und wenn nicht, dann wird der Bonus kleiner (Malus). Lange Rede kurzer Sinn: Offenbar kann man den Gewinn auch durch einfaches Vermeiden von Übertreibungen steigern. Wenn man langsam mal gemerkt hat, dass man den Bogen bei allem Gewinnstreben nicht überspannen sollte, ist das ja schon mal was. Aber um das zu lernen, braucht man keine Commerzbank. Das weiß man ja schon von den Sparkassen und Genossenschaftsbanken… mehr...


 
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